Katja Gehrung

Foto-Künstlerin
*1969 in Ostfildern-Ruit (Bei Stuttgart)

Beschreibung der Arbeitsweise

In meiner künstlerischen Arbeit fokussiere ich mich auf die inszenierte Fotografie. Allein vor der Kamera – nur mit Stativ und Selbstauslöser – nutze ich die Selbstinszenierung als stillen Arbeitsprozess und Annäherung an innere Zustände sowie Fragen weiblicher Identität. Meine Arbeiten verstehe ich als visuelle Poesie: In ruhigen, präzise komponierten Bildräumen verbinde ich das Persönliche mit dem Allgemeinen. Inspiriert von Literatur, Musik und eigenen Erfahrungen reagieren die Werke auf unsere gesellschaftliche Gegenwart und eröffnen einen Raum für emotionale und existenzielle Fragestellungen.

Ausbildung

Autodidaktin
ab 2014
künstlerische Fotografie
künstlerische Auseinandersetzung mit sozialkritischen Themen
ab 2015
Beteiligung an Kunstausschreibungen und Ausstellungen
seit 2020 freischaffende Künstlerin

Wichtigste Ausstellungen

2017 - Juriert für die 10. Wiesbadener Fototage mit der Serie „Ich wollte noch so viel mit Dir…“
2028 - Einzelausstellung Kunstverein Ottobrunn , "Maskerade",
2020 - Einzelausstellung städtische Galerie Bad Waldsee "Kein Mann in Sicht"
2024 - Danzig, GALERIA SZTUKI WARZYWNIAK, zusammen mit Katarzyna Niwinska (Fotografie)
2027 "Fisch ohne Fahrrad" - Galerie 9und20, Bregenz zusammen mit Bianca Thater (Holzsukulpturen)

Preise, Stipendien, Sammlungen

2016
2. Platz bei der Ausschreibung „SPOT ON! SHOW YOUR STYLE”
zur Ausstellung JUERGEN TELLER „ENJOY YOUR LIFE!" ausgerichtet von der Bundeskunsthalle.
2018
Jury-Kunstpreis Bergennale Kulturverein Berg e. V. (Starnberger See) für „Massentierhaltung“ erhalten
Kunstaustausch mit China/Kunming – dort vertreten mit zwei Bildern aus der Serie „Die Einsamkeit der Hausfrau“ im Yuan Xiaocen Art Museum, Kunsthalle Schweinfurt
2020
Förderung der Serie „Ernte23“ durch das Kulturamt der Stadt Fürth
Ankauf der Fotografie Stay home, stay safe! durch die Stadt Bayreuth
2025
Publikumspreis im Rahmen der Truderinger Kunst-Tage erhalten


„Eigentlich wollte ich ein Cello, 2024, thematisiert die systematische Ausgrenzung von Frauen aus dem öffentlichen Kulturraum. Während Frauen im heutigen Iran das öffentliche Cellospiel untersagt ist, spiegelt dies auf beklemmende Weise die westliche Geschichte des 19. Jahrhunderts wider, in der das Instrument aufgrund der ‚unweiblichen‘ Beinhaltung als unschicklich galt. Das Werk ist somit kein bloßes Porträt, sondern ein Zeitzeugnis über Restriktion und Sehnsucht, dass die zeitlose Beschneidung weiblicher Identität sichtbar macht.

"Deine blauen Augen machen mich so sentimental", 2020
Die Arbeit reflektiert die Entfremdung und Isolation des pandemischen Lockdowns. Die Idee entstand beim Blick aus meinem Atelier – einem ehemaligen Ladengeschäft – auf eine von Fußgängern belebte Straße. Der Anblick der vorbeiziehenden Passanten, die alle den blauen Mund-Nasen-Schutz trugen, evozierte den popkulturellen Refrain des Ideal-Klassikers der Neuen Deutschen Welle. Zwischen häuslicher Verletzlichkeit und demonstrativer Pose fängt das Werk die absurde Melancholie und die kollektive Einsamkeit jener Zeit ein.
"Ich hab geträumt der Krieg wär vorbei..." , 2022
Mein Werk reflektiert meine Erschütterung über den Ausbruch des Krieges in der Ukraine im Jahr 2022 und die zeitlose Sehnsucht nach Frieden. Der Titel zitiert Rio Reisers visionäre Liedzeile aus „Der Traum ist aus“ – ein Stück, von dem der Musiker selbst sagte, es würde „nie älter werden“.
"Tod eines Handlungsreisenden", 2019 - inspiriert durch das gleichnamige Drama von Arthur Millers aus dem Jahr 1949, aus meiner Serie Poetry Notes
"Kein Mann in Sicht" - Serien Bild Nr. 14
Die Serie setzt sich kritisch mit den schöngefilterten Versprechungen des digitalen Dating-Zeitalters auseinander. Ausgehend von der bekannten Werbebehauptung, dass sich alle elf Minuten ein Single über eine bestimmte Plattform verliebe, beleuchten die Arbeiten die ernüchternde Realität hinter dem algorithmischen Versprechen unerschöpflicher Verfügbarkeit.
Die Inszenierungen fokussieren den Zustand des Wartens – befreien die Frau jedoch aus der rein passiven Rolle einer märchenhaften Prinzessin. Sie changiert stattdessen subtil zwischen Sehnsucht und Jagd, zwischen Abwarten und couragierter Autonomie. Inzwischen ist die Serie auf 28 Arbeiten angewachsen und spiegelt präzise die Erwartungshaltung, Ambivalenz und wiederkehrende Enttäuschung einer ganzen Generation wider.