Neue Mitglieder
Veronika Breuer | Clemens Gächter | Valentin Hämmerle | Wolfgang Herburger | Irena Pejčić | Elena Schertler | Christopher Schneeweiß | Wolfgang Winder
„… im Erdgeschoss“
„DON’T YOU SEE“
Stark Alexander
„Dorthin, wo die Wanderlust die Wege vergoldet“
Brigitte Spiegeler
Ausstellungsdauer: 17. Januar bis 1. März 2026
Eröffnung: Freitag, 16. Januar 2026, 19 Uhr
Im Keller des Künstlerhauses stellt die Berufsvereinigung ihre neuen Mitglieder vor, die im vergangenen Jahr aufgenommen wurden. Insgesamt 7 Künstler:innen und ein Architekt. Ihre Arbeiten spiegeln ein breites Spektrum zeitgenössischer künstlerischer Ansätze wider – von Malerei und Installationen über biografisch geprägte Kunst bis hin zu Architektur.
Eine weitere Ausstellung widmet sich dem in Bregenz lebenden multidisziplinären Künstler Alexander Stark. Seine Arbeiten untersuchen visuelle Wahrnehmung, Kontemplation sowie die Beziehung zwischen Betrachter:in und Kunstwerk. Im Spannungsfeld von Bewegung und Stillstand treffen interaktive Objekte auf abstrakte Malerei. Die Ausstellung schafft Räume für nicht-konzeptionelle Wahrnehmung und lädt zu unmittelbaren, sinnlichen Erfahrungen ein.
Ergänzt wird das Programm durch die Residency-Ausstellung der niederländischen Künstlerin Brigitte Spiegeler, die von November 2025 bis Januar 2026 in Vorarlberg lebt und arbeitet. Im Dachgeschoss des Künstlerhauses präsentiert sie Fotografien, die während ihres Aufenthalts mit einer Camera Obscura in Bregenz, Rankweil und Feldkirch entstanden sind. Durch die Bearbeitung mit Pigmenten und Blattgold erhalten die Arbeiten eine zusätzliche materielle und poetische Dimension.
Mit dem Open Call „… im Erdgeschoss“ lädt die Berufsvereinigung im Frühjahr 2026 dazu ein, das Erdgeschoss des Künstlerhauses Bregenz neu zu denken. Der Fokus liegt auf Prozessen statt fertigen Werken: Unfertiges, Verworfenes und Experimentelles wird zum Ausgangspunkt für Austausch, Diskussion und kollaborative Formate. Künstler:innen und Kollektive nutzen die Räume jeweils für zehn Tage und loten neue Nutzungsformen aus.
Termine:
16.1. – 25.1.2026 / Studierende der FH Vorarlberg „What do I see, and what do I want to see?“
30.1. – 8.2.2026 / Albert Allgaier „My favorite work of art“
13.2. – 22.2.2026 / Christoph Luger „Weitermalen“
Text zur Ausstellung – Alexander Stark
Alexander Stark (*1986) lebt und arbeitet als multidisziplinärer Künstler in Österreich. Seine Arbeit zeichnet sich durch eine konzeptionelle, transdisziplinäre Praxis aus. Mittels Serialität, Materialforschung und Skalierung ermutigen seine Werke dazu, Fragen zur Wahrnehmung und Realität zu erforschen und die eigene Sichtweise auf die Welt zu hinterfragen. Mit „DON’T YOU SEE“ entwickelt er eine Ausstellung, die Sehen und Verstehen nicht als selbstverständliche Fähigkeit behandelt, sondern als etwas Fragiles und Situatives. Sehen erscheint nicht als unmittelbares Wieder-Erkennen, sondern als Prozess, der Zeit, Bewegung und Aufmerksamkeit erfordert. Die Arbeiten entfalten ihre Wirkung nicht auf den ersten Blick, sondern im Zusammenspiel von Körper, Raum, Material und Licht.
Bereits im Außenraum des Künstlerhauses setzt Stark auf reduzierte und präzise Formen. Eine markante Metallskulptur eröffnet das Thema der Ausstellung sachlich und ohne expressive Geste. In ihrer Einfachheit erinnert sie an Setzungen der Minimal Art, die durch Wiederholung, Maß und Präsenz wirken. Der eigene Standpunkt wird spürbar, der Körper gerät unmerklich in ein Verhältnis zur Arbeit. Der „FLASH“ (2025) – oft nur einen Bruchteil eines Augenblicks zu sehen – ist zum Momentum erstarrt und die Skulptur erlaubt das Umrunden und subjektive Empfinden von Zeitlichkeit.
Im linken großen Raum intensiviert sich die individuelle Erfahrung der Werke. Metall-Skulpturen treffen auf Malereien mit Moiré-Effekten. Stoß an Stoß in rigider Ordnung gehängt, bilden sie eine Oberflächenlandschaft aus Linien, Rastern und Schichtungen. Je nach Blickwinkel beginnen die Flächen zu flirren, zu kippen oder zu pulsieren. Diese optischen Verschiebungen entstehen nicht durch Bewegung der Werke, sondern durch die Aktivität des Sehens selbst. Anklänge an die Op-Art sind hier deutlich spürbar. Wahrnehmung wird zur körperlichen Erfahrung: Das Auge tastet, verliert kurz Stabilität und justiert sich neu. Während Stark sich an einem strengen Regelsystem aus geometrischen Formen abarbeitet, entsteht für jede:n der Betrachter:innen eine ganz eigene Realität der Wahrnehmung, abhängig vom Rhythmus, der Geschwindigkeit und dem Winkel des Schauens. Wirklichkeit wird zu einem relativen Phänomen, je nach Betrachter:innenstandpunkt.
Im mittleren Raum verschiebt sich der Fokus von klaren Rastersystemen hin zu organischen Strukturen. Die Arbeiten greife das Prinzip von Wachstum, Verdichtung und Verästelung auf, ohne naturalistische Bezüge herzustellen. Die Formen visualisieren Prozesse des Werdens und Ausdehnens, bleiben jedoch abstrakt. Verstärkt stellt sich die Frage nach Maßstab und Nähe: Aus der Distanz wirken die gestempelten Oberflächen ruhig und homogen, aus der Nähe öffnen sich Tiefen und Unregelmäßigkeiten. Der intensive Glanz der verwendeten Pigmente in der Farbe erzeugt einen starken Effekt. So erscheinen die Bilder aus der einen Perspektive von einem transparenten Nebel überzogen, während sie von einem anderen Standpunkt von klaren Kontrasten gekennzeichnet sind. Der Raum verlangt ein entschleunigtes Sehen, ein sensibles Reagieren auf Übergänge, Spannungen und Verdichtungen.
Zur Parkseite hin eröffnet sich eine kontemplative Situation. Kombinierte Werke aus verschiedenen Serien arbeiten mit feinen Farbübergängen, Reliefs und universellen Ordnungen. Die Arbeiten erscheinen weniger als klassische Tafelbilder, denn als rhythmische Setzungen, deren Logik sich erst in der längeren Betrachtung erschließt. Licht und Material stehen hier in einem zurückhaltenden, sorgfältig austarierten Verhältnis. Wurde im gegenüberliegenden Raum das Sehen aktiv als individuelles Erfahren der faktischen Wirklichkeit konfrontiert, betont Stark in diesem Raum das Thema der Einfühlung. Es entsteht eine Atmosphäre, die nicht auf das Erkennen von Mustern und Regeln zielt, sondern auf das Gefühl der Verbindung.
„DON’T YOU SEE“ versammelt keine abgeschlossenen Aussagen. Die Ausstellung schafft vielmehr Bedingungen, unter denen Wahrnehmung als aktiver, körperlicher Vorgang erfahrbar wird. Sie lädt dazu ein, Unsicherheiten zuzulassen, Blickgewohnheiten zu hinterfragen und zwischen Überblick und Nahsicht zu wechseln. Nicht das schnelle Erfassen steht im Mittelpunkt, sondern das allmähliche Wahrnehmen – präzise, offen und ohne Anleitung.
Text: Anne Zühlke
Text zur Ausstellung – Brigitte Spiegeler
„Dorthin, wo die Wanderlust die Wege vergoldet“ zeigt das Ergebnis von Brigitte Spiegelers Artist Residency in Vorarlberg als eine stille Reise durch Raum und Zeit. Nicht das Festhalten des Sichtbaren steht im Mittelpunkt, sondern das langsame Annähern an das, was einen Ort zu einem Ort macht: seinen genius loci.
Wandelnd und aufmerksam verweilend erforscht Spiegeler die Atmosphäre, die dort entsteht, wo Licht, Textur, Kontur und Farbe einander begegnen. Orte werden so zu mehr als geografischen Koordinaten; sie entfalten sich als Träger von Erinnerung, Kultur und Landschaft, jeder mit einem eigenen, kaum greifbaren Ton.
Die Camera obscura fungiert dabei als Instrument der Verlangsamung und der Hingabe an das Licht. Die Bilder halten keinen Moment fest, sondern eine Präsenz: schwebend, unscharf, poetisch. Diese Haltung korrespondiert mit Gaston Bachelards The Poetics of Space „Wir sind niemals wirkliche Historiker, sondern stets nahe bei den Dichtern.“ In schwarz-weißen analogen Camera obscura Fotografien, angereichert mit Goldpigment, Blattgold, Goldfarbe und Ultramarin, sowie in experimentellen Lomography Aufnahmen mit subtilen Farbverschiebungen verdichtet sich das Spannungsfeld zwischen Vergänglichkeit und Dauer. Menschen erscheinen als Schatten, Gebäude tragen ihre Vergangenheit in sich; die Bilder wirken wie Erinnerungen, zugleich nah und unerreichbar.
Schritt für Schritt führt uns Spiegeler entlang ihrer Wanderlust: nicht als Weg, sondern als Zustand — ein vergoldeter Pfad, auf dem Sehen in Erinnern übergeht und Erinnern zu einer Form von Gegenwärtigkeit wird.
Text zum Format „… im Erdgeschoss“
Die Berufsvereinigung Bildender Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs hat durch einen Open Call Künstlerinnen und Künstler dazu aufgerufen, im Frühjahr 2026 das Erdgeschoss im Künstlerhaus nutzen. Dabei soll Unfertiges, Verworfenes oder nicht Realisiertes – also kurzum: künstlerisches Schaffen abseits vom traditionellen Ausstellungsformat – im Vordergrund stehen.
Künstler:innen und Kollektive wurden eingeladen, Ideen für das Erdgeschoss sowie das Café und Foyer des Künstlerhauses einzusenden. Der Inhalt ist den Künstler:innen freigestellt. Ziel des Calls ist es, Ideen zur Diskussion zu stellen, Prozesse anstatt Produkten in den Vordergrund zu bringen und damit einen Rahmen für kollegialen Austausch zu schaffen. Gesucht wurde nach Ideen und Interventionen, die das Künstlerhaus neu denken und dessen Möglichkeiten ausloten, um das Haus und die Vereinigung weiterzuentwickeln. Er richtet sich an Kunstschaffende, die mit neuen Formaten und anderen Nutzungsideen spontan, experimentell und kollaborativ arbeiten wollen.
16.1. – 25.1.2026 / Studierende der FH Vorarlberg, betreut von Sarah Schlatter
„What do I see, and what do I want to see?“
44 Studierende, Digital Natives, die Fotografie bewusst und unbewusst im Alltag nutzen, haben sich der Fotografie gewidmet: als Ausdrucksmittel, als Medium und als Recherchetool. Die Studiengänge BA InterMedia und MA Design und Creative Leadership am Fachbereich Gestaltung der FHV widmen sich der Bearbeitung komplexer Fragestellungen an der Schnittstelle von Mensch, Gesellschaft und Technologie. Design wird dabei als forschende Herangehensweise und ganzheitlicher, erkenntnisorientierter Prozess verstanden. Über die selbstethnografische Aufarbeitung des eigenen Archivs, die Auseinandersetzung mit Fotobüchern bekannter Fotogaf:innen und die Entwicklung einer eigenen Serie wurde Fotografie als Artistic und Design Research Tool sowie als Narration erprobt. Die Wirkung der Bilder wurde anhand von Interviews erfasst und wird im Raum als work-in-progress bis zum 21.1. erweitert.
Studierende des 1. Semesters Bachelorstudiengang InterMedia, Fachhochschule Vorarlberg
Lehrveranstaltungen: Wissenschaftliches Arbeiten und Gestaltungsgrundlagen Fotografie
Wintersemester 2025/26, Dozierende: Sarah Schlatter
30.1. – 8.2.2026 / Albert Allgaier
„My favorite work of art“
Die Arbeit „My favorite work of art“ ist tatsächlich das persönliche Lieblingskunstwerk von Albert Allgaier: Der Flipperautomat „The Addams Family“ von 1992. In der Tradition des Ready-Mades erklärt der Künstler die Maschine allein durch ihre Platzierung im Ausstellungsraum zum Kunstwerk. Die tatsächliche Benutzbarkeit der Maschine wirft jedoch Fragen zur Funktionalität
von Kunst und Kunsträumen auf, die über die Duchamp’sche Geste hinausgehen. Die dem Titel immanente Reflektion auf den Kunstbegriff wird hier nicht nur personalisiert (MY!), sondern in seiner Erfahrung teilbar gemacht (bis zu vier Spieler gleichzeitig): eine soziale Skulptur entsteht. Die Haptik, der Klang, die Lichter erzeugen eine multi-sensorische Erfahrung und resultieren in einer kybernetischen Choreografie zwischen Mensch und Maschine. Zu gewinnen gibt es nichts außer Zeit, und zwar während man sie verliert.
13.2. – 22.2.2026 / Christoph Luger
„Weitermalen“
Wann ist ein Bild fertig? Diese Frage stellt sich allen Kunstschaffenden. Vor einigen Jahren hat Christoph Luger eine Serie von 50 Tuschebildern auf Papier im Format 250 x 250 cm gemalt. Von einem der Bilder hat er nur noch Fragmente – es ist quasi verloren gegangen. Dieses Bild möchte er rekonstruieren, wieder „lesbar“ machen, das Einzigartige herausarbeiten. Die vielen Nuancen und Schichten dieses Papierbildes zeigen Geschichten und auch die Geschichte des Bildes. Das Ergebnis wird im Rahmen des Projekts gezeigt und weiteren Bildern der Serie gegenübergestellt. Die Arbeiten werden nicht an der Wand montiert, sondern in den Raum gehängt und somit „begehbar“ gemacht.

Fotos: Florian Raidt
